Tobias Morchner demonstriert den manipulativen Journalismus

Tobias Morchner berichtet über eine Kundgebung am 14.02.2021 in Hannover unter der Headline „Polonaise durch den Zug – ohne Masken“. Damit wird bereits vor der Lektüre des Artikels klar: Es geht nicht um die sachliche Berichterstattung über diese Kundgebung. Diese subtile Manipulation ist allerdings derart plump, dass sie jeder sofort erkennen könnte. Im Untertitel berichtet er als Nächstes über „zahlreiche Verstöße“.

Hannoversche Allgemeine Zeitung (Seite 16) und Celler Zeitung (Seite 26) vom 16.02.2021

Damit werden Demonstranten vorab in den Deutungsrahmen ‚Demonstration gleich Unrecht‘ gestellt. In den ersten beiden Spalten des Artikels – wie im gesamten Text – geht es nicht um den Anlass der Demonstration und das Anliegen der Demonstranten dieses Tages, sondern um die Maßnahmen der Polizei. Sodann schreibt der Autor über eine künftige (!) Demonstration in Hannover. Schließlich werden drei zurückliegende (!) Ereignisse in Langenhagen, Duderstadt und Dortmund angeführt, wobei drei Menschen diffamiert werden.
Auch hier ein Framing: Der Zusammenhang soll gemäß vorhandener Stereotype vom Leser hergestellt
werden. Das ist Manipulation.

Anstatt die Leserschaft über Anliegen und Aussagen der Demonstranten und ihrer Redner sachlich zu informieren, ergeht sich Tobias Morchner sprachlich, rhetorisch und inhaltlich in Schmähungen. Der Begriff „Kritik“ scheint ihm unbekannt zu sein. Das kritische Denken hat er beiseitegelegt. Vielleicht ist er dazu auch nicht befähigt? Kritiker der Corona-Maßnahmen bezeichnet er als „Gegner“. Warum nicht gleich als Feind?

Er diffamiert die Demonstrationsteilnehmer mit den üblichen dummdumpfen Kampfbegriffen als „Pandemieleugner“ und „Anhänger von Verschwörungstheorien“, die heutzutage eine sachliche Argumentation abgelöst haben, und schließt seinen Text mit den Worten, dass ein(!) Mensch immer „radikalere Töne“ anschlägt. Damit wird deutlich, was Tobias Morchner erreichen will: Kritiker werden „immer radikaler“ und verstoßen gegen „geltende Regeln“. Gerade gegen diese derart verniedlichten Maßnahmen der Exekutivorgane, an der Spitze die Bundesregierung und die Ministerpräsidenten der Bundesländer, richtet sich die fundierte Kritik jener Menschen, die Freiheit, Demokratie und Rechtsstaat in Gefahr sehen und deshalb auf die Straßen und Plätze gehen, um die Öffentlichkeit für diese gesellschaftliche Gefahr zu sensibilisieren. Das wäre auch die Aufgabe der sogenannten Vierten Gewalt, des Journalismus.

Aber Journalisten wie Tobias Morchner haben diesen Anspruch offensichtlich aufgegeben. Was übrig bleibt,
ist halt Gewalt und ihr Täter.

Reinhart Thomas, StR i.R. für Geschichte und Politik